„Reiki als angewandtes Mitgefühl“: Teil II Was Reiki ist

Mit dieser Formulierung hat Frank Arjava Petter Reiki auf einen wie ich finde schönen Punkt gebracht. Was Reiki ist, woher es kommt und wie wir es nutzen können, erfahrt Ihr hier: Teil II von III Was Reiki ist

Bild von Kranich17 auf Pixabay

Was ist Reiki und woher stammt es?

Reiki ist eine nicht-invasive, manuell ausgeführte therapeutische Methode, die den Organismus dabei unterstützt, sein optimales Gleichgewicht aufrechtzuerhalten oder wieder zu finden. Damit ist Reiki eine körperorientierte Methode und kann als „Körpertherapie“ bezeichnet werden, auch wenn Reiki darüber hinaus wirkt.

Reiki wurde in Japan 1922 von Mikao Usui (1865-1926) begründet und gelehrt, der sich zeitlebens mit Wissen und Spiritualität befasste (mehr zu Mikao Usui in einem anderen Beitrag). Die Überlieferung besagt, dass Usui Sensei während eines meditativen Retreat auf dem Berg Kurama in der Nähe von Kyoto eine Erleuchtungserfahrung hatte, wobei ihm Reiki offenbart wurde. Als er vom Berg herunterstieg, stellte er fest, dass er mit seinen Händen eigene Schmerzen lindern konnte. Er praktizierte die neu erhaltene Fähigkeit zunächst in seinem Umfeld, bevor er ab 1922 damit an die Öffentlichkeit ging, eine Praxis eröffnete und auch während des Grossen Erbebens 1923 in der Region Tokio zusammen mit seinen SchülerInnen der Gemeinschaft half.

Usui Sensei bildete andere in der Methode aus und sorgte so dafür, dass Reiki unabhängig von ihm weiter entwickelt und verbreitet werden konnte. Ihm war es wichtig, dass sich Reiki als Methode, die uns allen „als Geburtsrecht“ zusteht, ungehindert und frei verbreiten konnte. Wichtige WissensträgerInnen waren Chujiro Hayashi (1880 – 1940), ein von Usui Sensei ausgebildeter Marine-Arzt, der seinerseits Hawayo Takata (1900 – 1980) ausbildete, die Reiki als japanischstämmige Amerikanerin über Hawaii in die westliche Welt brachte.

Usui Sensei nannte die ihm offenbarte Methode Reiki. Wie bei vielen japanischen Begriffe sind vielfältige Übersetzungen möglich. Gängig ist die Übersetzung als „universelle Lebensenergie“, Petter übersetzt es als „Seelenenergie“ oder „Energie des Geistes“ (Petter 2015: 18).

Rei (für „Seele“ oder „Geist“) verweist dabei auf eine spirituell-geistige Dimension, während Ki (für „Energie“) sich als eine Vitalkraft verstehen lässt, die alles durchdringt und in allen Lebewesen fliesst. Das Ki weist eine Verwandtschaft mit dem chinesischen Chi / Qi, dem indischen Prana und dem antiken griechischen Pneuma auf, die alle auf ähnliche Vorstellungen von einer  Lebenskraft verweisen.

Fun fact: In der nigerianischen Igbo-Kultur ist das ähnlich klingende Chi ein facettenreicher Hinweis auf Gott sowie ein Begriff für die persönliche göttliche Kraft, die auf das eigene Sein und den eigenen Lebensweg einwirkt:  Chi ist „the immanent presence of God in man or man’s guardian angel in life“ (Mehut 1981: 68, zit. in Onyibor 2019: 90). Ist dies die Seele möglicherweise, die unser irdisches Ich transzendiert und uns mit der ewigen Quelle verbindet?

In der Überlieferung ist Reiki eine Methode, die die Kraft des universellen Ki unter Beachtung des Rei, der „geistig-seelischen“ Führung, nutzt und „nutzbar macht“, um den Menschen in seiner Selbstheilungsfähigkeit, seinem persönlichen Ki zu unterstützen. Usui Sensei hat uns dafür eine Reihe von technischen Hilfsmitteln mitgegeben, um Reiki als Praktizierende zum Wohl von uns selbst wie von anderen anzuwenden. Dazu gehören bewusstseinsbezogene Hinweise wie die Lebensregeln (mehr dazu in einem eigenen Beitrag) und die meditative Praxis (die Ähnlichkeiten mit der Achtsamkeitspraxis aufweisen in ihrem Fokus auf die nicht-wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments). Und natürlich die Hinweise zur Durchführung von Behandlungen und Anwendungen mithilfe der Reiki-Kraft für sich selbst und für andere (mehr dazu ist in mehrstufigen Ausbildungen in der Reiki-Methode zu erfahren).

Wobei unterstützt uns Reiki?

Usui Sensei hat Reiki als eine Methode „zum Einladen des Glücks“ und als „Heilmittel unzähliger Krankheiten“ bezeichnet (Hosak 2015). Entsprechend vielfältig sind die Anwendungsmöglichkeiten.

Reiki kann präventiv angewendet werden, um Entspannung und Wohlbefinden zu unterstützen. Der Effekt auf das vegetative Nervensystem, das den Ausgleich von Aktivierung und Entspannung reguliert, ist gut erforscht (mehr dazu in Beitrag Teil III zu den wissenschaftlichen Bezügen).

Reiki ist eine gute Möglichkeit, um somatische Beschwerden unterstützend zu behandeln, in der Schmerzlinderung beispielsweise.

Darüberhinaus bietet Reiki eine Möglichkeit, über den körperlich-ganzheitlichen Zugang auch psychosomatische, emotionale und mentale Themen zu begleiten. Gut belegt sind Effekte in der unterstützenden Behandlung von Angst, Stress und Depression (mehr dazu in Teil III zu den wissenschaftlichen Bezügen).

In einem umfassenderen Sinn unterstützt uns die Anwendung von Reiki dabei, mit uns selbst in Übereinstimmung zu sein. Daher ist es auch eine Möglichkeit, die persönliche Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten – gerade auch dann, wenn wir uns von uns selbst „entfernt“ haben und nicht unser eigentliches mojo oder unser eigentliches Chi im Igbo-Sinn leben.

Quellen:

  • Hosak, Frank (2015). Usuis Lebensregeln. URL: https://shingon-reiki.de/usui-lebensregeln/
  • Lübeck, W., Petter, F. A., & Rand, W. L. (2012). Das Reiki-Kompendium (6. Aufl.). Windpferd.
  • Onyibor, Marcel I.S. (2019). The Role of Chi in Self-Actualization in Traditional Igbo Cosmology. In: Nnamdi Azikiwe Journal of Philosophy, Vol.11(1), 84-100.
  • Petter, Frank Arjava (2009). Das ist Reiki. Heilung für Körper, Geist und Seele. Windpferd.
  • Petter, Frank Arjava (2015). Eins mit Reiki. Windpferd.

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