«Sei getreu bis in den Tod»: Bänz

Ein der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannter Mensch, der mich beeindruckt, war Bänz. Mehr über ihn erfahrt ihr hier.

Bild: B. Wüthrich

«Im weiteren hoffe ich, dass Du Dir selber treu bleiben wirst. Wachse in Deine Ideale hinein, dass das Leben sie Dir nicht mehr wegnehmen kann!» Bänz, in einem Brief von 1993

Bänz, der in Wirklichkeit anders heisst, war so vieles. Ein Emmentaler Unikat, leidgeprüft, eigensinnig bis ganz am Schluss, grosser Katzenfan, begeisterter Automobilist, passionierter Jasser, still und gschaffig, einschüchternd bestimmt, tiefgründig, einzigartig schalkhaft schäkernd. So vieles habe ich von ihm gelernt. Am meisten über Würde und Liebe.

Bänz wurde als Bauernsohn im Emmental geboren und durchlebte eine nicht nur glückliche Kindheit und Jugend. Nicht zuletzt in seiner Herkunftsfamilie, und weil er weder einen Wunschberuf ergreifen noch seine erste Liebe gewinnen konnte. Erst, als er in seinen Zwanzigern seine künftige Frau traf, begannen sich die Schatten ein wenig zu lichten. Mit ihr schöpfte er Hoffnung und fand schließlich den Mut, seinen eigenen Weg zu finden, um ein stabiles Familien- und Berufsleben aufzubauen. Er war schon einiges über 40, als er endlich die Gelegenheit zu einer beruflichen Aufgabe bekam, die ihn in der Sorge für andere und die Gemeinschaft erfüllte. Gleichzeitig konnte er sein eigenes kleines Reich einrichten und mit seiner «lieben Frau» ein Leben in grösserer Selbstbestimmung und Unabhängigkeit geniessen. Schicksalsschläge trübten das Glück früher als gedacht. Bänz richtete sich darin neu ein, und er hörte bis ins hohe Alter nicht damit auf, sich um die Gemeinschaft zu kümmern, seinen Beitrag zu leisten und die Freuden sowohl guter Gesellschaft wie auch des Alleinseins nach besten Kräften zu leben. In den späten Jahren war er selber auf Sorge angewiesen, und liess es sich nicht nehmen, in guten Tagen mit den Pflegekräften zu scherzen, und in weniger guten Tagen eigensinnig darauf zu beharren, wie er die Dinge gerne haben wollte. Bis zuletzt war sein Haus rege besucht, von Menschen, wie auch von befreundeten Katzen, die regelmässig nach dem Rechten schauten.

Ich höre seine Stimme noch in meinem Kopf, wie er mich daran erinnert, es nicht zu ernst zu nehmen, freundlich und demütig zu sein, und einfach meine Arbeit zu tun und anderen zu helfen. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch in den letzten Jahren die Gelegenheit hatten, miteinander zu feiern, mit gutem Essen und Lachen, ob nun zu Feiertagen oder einfach so.

Er kümmerte sich bis zuletzt auch um mich. Nur ein paar Wochen vor seinem Tod war es, als er heimlich einige Pralinen neben meine Autoschlüssel auf den Tisch legte, um mir auf diese Weise eine gute Heimfahrt zu wünschen.

Danke, lieber Bänz, für jeden Harry-Potter-Film, den wir als Fans der ersten Stunde gemeinsam im Kino sahen. Dass Du mir immer klar und deutlich gesagt und gezeigt hast, was Du für richtig hältst, und dass Du mich auch dann gern hattest, wenn ich es anders machte, als Du wolltest. Dass Du mich Sensibelchen genannt und mich ein wenig dafür ausgelacht hast. Dass Du Dich immer und auch jetzt vergewissert hast, wer an meiner Seite ist. Dass Du Dir selber treu geblieben bist bis in den Tod. Ich bin sicher, dass Du dafür eine Krone erhalten hast.

Danke, lieber Bänz, für alles! Und alles Gute zum Geburtstag. Ich vermisse Dich.

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